25.10.2013 / Übung «REVITA» der Luftwaffe im Mai 14 stösst auf grossen Unmut

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Die letzten WK der Luftwaffe mit Jet-Flugzeugen auf dem Militärflugplatz Buochs fanden vor gut zehn Jahren statt. Ende 2003 wurden die Mirage Jets ausgemustert. Die Kabelfanganlage an den Pistenenden wurde demontiert. In der Folge wurde der Militärflugplatz in den Status einer Sleeping Base erhoben. Das bedeutet eigentlich: “grundsätzlich keine militärische Nutzung in normaler Lage“. Eigentlich.

Der SBFB enthüllt nun im Flugplatzdossier Buochs einmal mehr, was (noch) nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte, was Behörden und Amtsstellen im Kanton Nidwalden jedoch bereits wissen: Die Luftwaffe beabsichtigt, im Mai 2014 während einer Woche im Rahmen des Wiederholungskurses des Meiringer Flugplatzkommandos eine militärische Übung mit Jet-Flugzeugen auf dem Militärflugplatz Buochs durchzuführen.

Der SBFB ist in mehrerer Hinsicht empört und sagt entschieden NEIN zur Revitalisierungs-Übung des Militärflugplatzes Buochs mit Kampfjets der Luftwaffe.

Übung unter dem sinnigen Namen “REVITA 2014“
Die Übung mit Jet-Flugzeugen auf dem Militärflugplatz Buochs unter der Bezeichnung “REVITA 2014“ soll während des Wiederholungskurses des Meiringer Flugplatzkommandos in der Kalenderwoche 20 vom 12. – 16. Mai 2014 stattfinden. “Vorbehältlich der abschliessenden Haltung des Regierungsrats des Kantons Nidwalden“ verschickte die Luftwaffe Ende September eine “Einladung zur Information über die Übung REVITA“ an Behörden und Amtsstellen.

Pikant: Regierungsräte nicht auf dem Einladungsverteiler
Diese Information der Luftwaffe findet Ende Oktober statt. Dann werden die Behörden und Amtsstellen mit nur rund sechs Monaten Vorlauf im Detail über die vorgesehene Übung ins Bild gesetzt. Pikant ist, dass weder Frau Landammann, noch Herr Landesstatthalter (derzeit der Justiz- und Sicherheitsdirektor), noch der Vorsitzende des regierungsrätlichen Flugplatzausschusses, noch der frühere Kampfjet- und Testpilot armasuisse mit heute 20 % Pensum als Berater von BR Ueli Maurer und mit Hauptpensum als Nidwaldner Regierungsrat auf dem Einladungsverteiler waren.

Das kann durchaus dahingehend interpretiert werden, dass der Regierungsrat der Übung “REVITA 2014“ bereits wohlwollend zugestimmt hat und es somit bei der Information an die geladenen Behörden und Amtsstellen nur noch darum gehen könnte, dem Regierungsrat den Rücken für die höchst fragliche Revitalisierungs-Übung frei zu halten. Sollte das der Fall sein, wäre die Einladung der Luftwaffe unter dem Label “vorbehältlich der abschliessenden Haltung des Regierungsrats“ eine veritable Farce.

Drohende, massive Immissionen durch F/A-18 Jets im erweiterten Tourismus- und Erholungsraum Vierwaldstättersee
Recherchen des SBFB ergaben, dass verschiedene Verbände der Luftwaffe, die dem Meiringer Kommando unterstellt sind, zwischen dem 5.5. und 23.5.2014 ihren WK absolvieren. So auch das Fliegergeschwader 13, dem die in Meiringen stationierte Fliegerstaffel 11 (bestehend aus Kampfjets des Typs F/A-18) und die Fliegerstaffel 8 (bestehend aus Kampfjets des Typs Tiger F5), angehören.

Sollte es bei der Absicht der Übung REVITA als Teil-Wiederholungskurs auf der Sleeping Base Buochs im Wonnemonat Mai, einem der schönsten und touristisch attraktivsten Monate des Jahres, bleiben, ist es absehbar, dass es zu massiven Immissionen und damit Beeinträchtigungen der erweiterten Region Vierwaldstättersee kommt. Und das selbst auch dann, wenn die F/A-18 Kampfjets “nur“ den Luftraum – und somit nicht auch den Flugplatz Buochs für Starts und Landungen – benützen würden.

Im Widerspruch zum Objektblatt Buochs des Sachplans Militär (SPM)
Im Objektblatt Buochs des behördenverbindlichen, raumplanungsrelevanten Sachplans Militär (SPM), verabschiedet durch den Bundesrat am 1. Juli 2009, heisst es bezüglich festgesetztem Hauptzweck: Sleeping Base ? “grundsätzlich keine militäraviatische Nutzung in normaler Lage“.

Den Erläuterungen dazu ist weiter wörtlich zu entnehmen: “Der Militärflugplatz Buochs verbleibt als Sleeping Base im Kernbestand. Sleeping Base bedeutet, dass der Flugplatz militäraviatisch grundsätzlich nur noch im Eventualfall, das heisst in einem Krisenfall in der ausserordentlichen Lage genutzt wird.“.

“Es kann heute wohl niemand ernsthaft behaupten, der Krisenfall, beziehungsweise die ausserordentliche Lage sei eingetreten“, sagt SBFB-Präsident Paul Mazenauer. Und dies insbesondere auch nicht bezüglich militärischem Bedarf eines einwöchigen Wiederholungskurses mit Kampfjets in Nidwalden.

SBFB sieht sich in seinen Befürchtungen bestätigt
Der SBFB wies bereits vor Jahren mehrfach öffentlich darauf hin (so beispielsweise anfangs Juli 2008 und 2010), dass es ein komplett falsches Signal ist, dass der Kanton und die Flugplatzgemeinden der Uhrenfirma Breitling mit ihrer in Dijon (F) stationierten, zivil genutzten militärischen Jet-Flotte des Typs Albatros L-39 Jahr für Jahr im Sommer für die hoch riskanten, immissionsintensiven Akrobatiktrainings den roten Teppich ausrollen, während sich Tourismuskreise, Hoteliers und Bevölkerung im Berner Oberland wegen des Jet-Lärms der Luftwaffe von Meiringen arg beklagen. Sie verlangen eine Reduktion der Jet-Flugbewegungen und eine viermonatige Jet-Flugpause im Sommer.

“Unter diesen Umständen braucht sich niemand zu wundern, dass die Sleeping Base Buochs nun erstmals nach über zehn Jahren des letzten Jet-Wiederholungskurses zur Entlastung von Meiringen – anders ist die Übung nicht zu interpretieren – vorerst während einer Woche revitalisiert und offensichtlich auf Anwohner-Verträglichkeit getestet werden soll“, hält Benno Zurfluh fest. Es ist zu befürchten, dass die Ausweitung dann “salamirädliweise“ erfolgt, sollten sich die geladenen Behörden, Amtsstellen und letztlich auch der Regierungsrat nicht heute rechtzeitig auf die Hinterbeine stellen.

Aufforderung an die zur Information geladenen Behörden
Der SBFB fordert die geladenen Behörden, vorab auch die Gemeindevertreter eindringlich auf, sich bereits vor der Informationsveranstaltung der Luftwaffe beim Regierungsrat unmissverständlich kritisch einzubringen. “Und dann der Einladung der Militärs nicht nur als reine Informationsempfänger Folge zu leisten, sondern im Interesse der Anwohnerschaft sowie der erweiterten Tourismus- und Erholungsregion Vierwaldstättersee entschieden Position zu markieren“, unterstreicht Paul Mazenauer. Denn es geht nicht nur um massive, zusätzliche Immissionen, sondern auch um den wesentlichen Aspekt der Sicherheit im heute sehr dicht besiedelten Nidwaldner Talkessel. Und schliesslich geht es um die zentrale Frage der Rechtssicherheit sowohl für Gemeinden als auch für Grundeigentümer, Immobilienbesitzer und potenzielle Investoren.

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25.10.2013 Medienmitteilung / Übung “REVITA“ der Luftwaffe im Mai 14 stösst auf grossen Unmut